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POTTGESCHICHTEN | Sommererinnerungen

11. August 2017


Sommer 1987

Gerade mit der Schule fertig, nichts konnte uns aufhalten. Der Sommer durchwachsen wie immer in Bochum – aber wen interessierte das, wenn die Schule endlich aus war und das Leben vor uns lag?
Den Abschluss wollten wir ganz groß feiern! Mit mehreren Freunden unten an der Ruhr. Für mich etwas unbekanntes Gebiet, war ich doch eher bei Oma und Opa in Gerthe aufgewachsen und hatte meine Kindertage daher im Gysenberg und im Hiltroper Park verbracht. Trotz meines „Hauptwohnsitzes“ in der Innenstadt hatte ich bis dahin nie viel Zeit an der Ruhr verbracht…
Der Tag, den wir uns ausgesucht hatten, verwöhnte uns mit ungewohnt sommerlichen Temperaturen. Nachmittags ging es los. Mit der Bahn nach Linden. Von dort aus trabten wir bepackt mit diversen Getränken  Richtung Ruhr runter.  In der Nähe des Bahnhofes Dahlhausen ging es über eine kleine Brücke und dann rechts einen Weg entlang zur Ruhr. Immer weiter liefen wir durch die Sommerhitze. 
Die Sonne brannte vom wolkenlosen Himmel und um uns herum summten die Bienen. 






Heute wäre das Ufer sicher bevölkert von Familien mit Kindern oder grillwütigen Clans. An diesem Tag war aber außer uns kaum jemand zu sehen, was das Urlaubsfeeling für mich eindeutig verstärkte. 
Wir ließen uns am Rande eines abgemähten Feldes nieder und die ersten sprangen in die Fluten. Mir machte das etwas Angst, denn in der Beziehung habe ich den Mut nicht gerade gepachtet. Daher lag ich lieber gemütlich auf der Decke und unterhielt mich. Die Flasche Bier in der Hand durfte selbstverständlich nicht fehlen – auch wenn ich Bier bis heute eigentlich gar nicht mag. Aber das war wichtig. Gehörte dazu!
Später am Nachmittag zerstreute sich die Gruppe ein wenig. Einige spielten Federball oder hieß es da schon Badminton? Ich lief mit einer Freundin ein wenig am Feld entlang und wir beobachteten einige putzige Feldmäuse beim buddeln im Stroh. Über uns flogen majestätisch einige Schwäne die Ruhr hinunter. Und die Sonne brannte noch immer.

Der Tag plätscherte vor sich hin und plötzlich wurde es Abend. An Essen kann ich mich nicht mehr erinnern. Vermutlich waren uns die Getränke genug. Ganz langsam packten wir zusammen und machten uns auf den Heimweg. Stockdunkel war es aber angenehm warm. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich Glühwürmchen sah. Und das letzte Mal, wenn ich so darüber nachdenke.

Dieser letzte Sommer mit den Freunden aus Kinder und Jugendzeiten ist mir lange im Gedächtnis geblieben und noch heute gehe ich, wenn die Zeit es zulässt, gerne dort spazieren. Die Gegend hat sich nicht sehr  verändert und erinnert mich an unbeschwerte Zeiten.  An den Duft von frisch gemähtem Gras, an völlig sinnlose aber doch wichtige Gespräche und einfach an: SOMMER